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Fachärzte für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie: Jörg Weyel und Dr. Dr. Ralf-Thomas Lange, Foto: © Dr. Dr. Lange Weyel

August 2020 | Anzeige

Parodontitis - die schleichende Gefahr

Bei den über 40-Jährigen sind Parodontalerkrankungen wie Gingivitis oder Parodontitis die häufigste Ursache für Zahnverlust. Wir sprachen mit den beiden Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen aus dem Menge Haus über Maßnahmen zur Rettung von Zähnen, die durch parodontale Erkrankungen gefährdet sind.

Redaktion: Woran erkennt man eine parodontale Erkrankung?

Dr. Dr. Ralf-Thomas Lange: Da diese Erkrankungen zu Beginn ohne Schmerzen verlaufen und schleichend fortschreiten, werden sie von Patienten oftmals nicht erkannt. Erste Anzeichen einer Parodontitis sind Rötung, Schwellung und Entzündung des Zahnfleisches. Es kommt zu Zahnfleischbluten beim Zähneputzen, Zahnfleischrückgang und zu empfindlichen Zahnhälsen. Wird die Entzündung nicht behandelt, kann sie im späteren Erkrankungsstadium die Fasern, die die Zähne mit dem Kieferknochen verbinden, zerstören und im weiteren Verlauf zum Knochenabbau führen. Ohne Fasern und Knochen beginnen sich die Zähne zu lockern und gehen möglicherweise verloren.

Jörg Weyel: Auch im fortgeschrittenen Stadium ist die Parodontitis von einem Zahnarzt noch erfolgreich behandelbar. Bei der klassischen, schonenden Parodontaltherapie werden die Entzündungsprozesse gestoppt und zur Ausheilung gebracht. Im Rahmen der so genannten Initialtherapie werden die Zahnfleischtaschen und Wurzeloberflächen möglichst gewebeschonend gereinigt, die Beläge entfernt und die Wurzeln geglättet. Parodontalchirurgische Maßnahmen werden erst vorgenommen, wenn nach Anwendung der klassischen Therapie immer noch tiefe Zahnfleischtaschen festgestellt werden. Unter Sicht erfolgt die Wurzelglättung, Kürettage und die Beseitigung von tiefen Zahnfleisch- und Knochentaschen. Entzündliches Gewebe wird schonend abgetragen. Diese Arbeiten können mit Laserunterstützung vorgenommen werden, um die Zahnoberfläche von bakteriellen Verschmutzungen zu reinigen und Keime abzutöten.

Redaktion: Was können Sie als Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen nach Gewebe- oder Knochenverlust tun?

Dr. Dr. Ralf-Thomas Lange: Von den Kollegen werden Patienten zu uns überwiesen, deren Zahnhalteapparat, also Weich- und Knochengewebe sowie Faserbündel, massiv durch eine Parodontitis geschädigt wurde. Ist der Substanzverlust nach Abschluss der konventionellen Parodotaltherapie groß, können wir im Menge Haus durch chirurgische, knochenaufbauende Eingriffe neues Gewebe aufbauen. Die Anlage von neuem Knochen fördern wir mit einer gesteuerten Geweberegeneration (GTR - Guided Tissue Regeneration) und der Applikation regenerativer Materialien.

Jörg Weyel: Die Bildung des neuen Knochengewebes wird mit einer Mischung aus Eigenknochen und Knochenersatzmaterial angeregt. Hierzu werden der Eigenknochen und das Knochenersatzmaterial in die entstandene Knochentasche eingefüllt. Im Laufe der Zeit wird das Material durch den Körper abgebaut und durch körpereigenen Knochen ersetzt. Eine schnellere und bessere Wundheilung verspricht PRGF, eine neue Entwicklung in der Regenerationsmedizin.

Dr. Dr. Ralf-Thomas Lange: PRGF steht für Platelet Rich Growth Factor. Es fördert die physiologischen Heilungsprozesse des menschlichen Gewebes. Mit dem neuen Verfahren wird aus dem menschlichen Blut Plasma gewonnen. Die autologen Präparate stimulieren die körpereigenen Wachstumsfaktoren und regen die Geweberegeneration an. Wir haben sehr gute Erfahrungen mit diesem Verfahren und setzen das Plasma ein, um die Erhaltung und den Aufbau des Kieferknochens zu verbessern und die Regeneration des Kieferknochens zu fördern. Der Einsatz des aufbereiteten Plasmas kann Schwellungen und Schmerzen deutlich reduzieren, Entzündungen und Infektionen vorbeugen und einen komplikationslosen Heilungsverlauf unterstützen. Da nur körpereigenes Material verwendet wird, werden Abstoßreaktionen vermieden und Unverträglichkeiten ausgeschlossen.

Jörg Weyel: Nach Abschluss einer regenerativen Parodontalbehandlung soll das Gewebe wieder möglichst natürlich aussehen und von den unbehandelten Nachbarstrukturen nicht zu unterscheiden sein. Unser Ziel sind minimal-chirurgische Vorgehensweisen. Um ein möglichst narbenfreies Gewebe zu schaffen sind gegebenenfalls weitere mikrochirurgische Eingriffe notwendig.

Redaktion: Die wackelnde, schmerzende Prothese hat ausgedient. Der Weg zu implantatgetragenen Zähnen ist einfacher, als viele denken. Implantate übertreffen oft die Vorstellungen von Patienten. Hohe Funktionalität, lange Haltbarkeit, ansprechende Ästhetik und schonende, minimal invasive Implantationen sind gute Gründe, sich für eine moderne Implantatlösung zu entscheiden.

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