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Elisabeth-Krankenhaus Rheydt, Foto: Städtischen Kliniken Mönchengladbach

1. Quartal 2019 | Anzeige

Schrittmacher für den Schließmuskel

Eli nun zertifiziertes Kompetenzzentrum für Koloproktologie

Ein durchaus mit Scham besetztes Thema, und das völlig zu Unrecht. Ganz im Gegenteil: die Patienten mit Problemen am Enddarm kommen meist erst dann zu Dr. Helmut Grosch, wenn der Leidensdruck zu groß geworden ist und das Schamgefühl überlagert. „Solche Erkrankungen sind nicht nur unangenehm und belastend, sondern auch gefährlich.“

Dr. Helmut Grosch leitet an den Städtischen Kliniken in der Chirurgie die Sektion Chirurgische Proktologie. Dort werden in der Hauptsache Hämorrhoiden, Analfisteln, Abzesse, Analfissuren, Stuhlkontinenz, der Darmvorfall nach außen, sowie komplexe Fisteln behandelt: „Für all diese Fälle stehen uns ausgeklügelte Operationsmethoden zur Verfügung.“ Das gelte insbesondere auch für die Erkrankung von Morbus Crohn Patienten.

Das ist auch der Grund, warum die wichtigsten deutschen Standesorganisationen im Bereich Proktologie der Chirurgie am Elisabeth-Krankenhaus Rheydt, in Person von Chefarzt Prof. Dr. Olaf Horstmann und Dr. Helmut Grosch, in diesen Tagen das Zertifikat „Kompetenzzentrum für Chirurgische Koloproktologie“ überreicht hat.

Der Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Endokrine Chirurgie Prof. Dr. Olaf Horstmann sieht darin mit Stolz den vorläufigen Abschluss einer fast fünfjährigen Vorlaufzeit: „Wir sind in der Region übrigens die einzige Klinik, die dieses Zertifikat vorweisen kann.“ Seit der Arbeitsaufnahme von Dr. Grosch, der zuvor bereits in der Landeshauptstadt eine entsprechende Abteilung erfolgreich geleitet hat, sei an der Verwirklichung des Ziels, zertifiziertes Kompetenzzentrum Chirurgische Koloproktologie zu werden, gearbeitet worden. Das sei nun eine „sehr gute Ergänzung“ zu dem schon bestehenden Hernien- und dem Darmkrebszentrum: Wir haben nun bestätigt bekommen, dass wir auf allerhöchstem Niveau arbeiten. Das Zertifikat beinhaltet, „dass die Sicherheit extern überprüft wird. Das gilt auch für die Strukturen und Prozesse“, so Horstmann.

Die Betonung liege ausdrücklich bei dem Begriff Chirurgie, so Horstmann: „Proktologische Erkrankungen werden im Allgemeinen und gut von den niedergelassenen KollegInnen behandelt. Diese Patienten sind nicht unsere Zielgruppe. Uns geht es ausdrücklich um die stationären Operationen.“

Proktologische Grunderkrankungen seien Volks- und Zivilisationskrankheiten, erklärt Dr. Helmut Grosch. Eine ausgewogenen, ballststoffreiche Ernährung helfe vorzubeugen. Zudem gebe es vor allem bei Frauen Probleme mit dem Beckenboden, wegen einer bei Frau en häufiger als bei Männern auftretenden Bindegewebsschwäche: „Nach einer Schwangerschaft kann eine Urininkontinenz auftreten. Im höheren Alter können bei Frauen wie Männern Halteschwächen des Stuhls auftreten.“ Etwa zehn Prozent der Älteren würden unter Inkontinenz leiden. Da Menschen im höheren Alter auch vermehrt Verstopfungen auftreten, komme es zum Vorfall des Darms, verursacht durch zu starkes Pressen.

Abhilfe kann Dr. Helmut Grosch durch die unterschiedlichsten Eingriffe schaffen: „Wir setzen am Darmausgang so etwas wie einen Schrittmacher ein. Der gibt kontinuierlich Impulse ab. Durch diese sakrale Nervenstimulation wird die Haltekraft des Schließmuskels deutlich verbessert. Manchmal kann er vollständig geheilt werden.“ Dies sei ein für den Patienten besonders schonendes Verfahren. Zudem setzt Grosch das so genannte THD Verfahren ein: „Durch extrem sensiblen Ultraschall wird der Operateur an die Stellen am Darmausgang dirigiert, die für das verstärkte Bluten verantwortlich sind.“ Die betroffenen Äste der oberen Rektalarterie könnten dann abgebunden werden: „Ein minimal-invasiver, schmerzfreier Ansatz, der eine rasche Rückkehr zur Normalität ermöglicht. Und das für eine Erkrankung, deren Behandlung seit jeher als schmerzhaft empfunden wird.“

Eine weitere Voraussetzung für die Anerkennung als Kompetenzzentrum sei die überaus enge Zusammenarbeit mit der Radiologie am Eli, betont Dr. Helmut Grosch: „Durch die Nutzung des MRT ist somit auch die Kernspindiagnostik des kleinen Beckens möglich.“

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