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Alena Scharfschwert. Foto: Alena Scharfschwert

März 2019

Die heilende Wirkung von Langeweile

Yoga

Wissen Sie, wann Sie sich zuletzt gelangweilt haben? Eine öde Phase, in der Sie nichts zu tun hatten? Ich weiss es. Es war im letzten Jahr als ich eine Freundin zu einer Prüfung begleitet habe. Sie sagte mir schon vorher, dass es länger dauern könnte. Kein Problem, sagte ich. Wie lange kann eine Prüfung schon dauern, dachte ich. Heraus fand ich, die Prüfung dauerte drei Stunden.

Aber ich war vorbereitet. Aufgrund der Vorwarnung „länger“ war ich mit Handy, Zeitschrift und Notebook ausgestattet. Meine Freundin ging zur Prüfung und ich kaufte mir in der Cafeteria einen Kaffee. Die Parkbank in der Sonne wurde mein Warteplatz. Die erste Stunde verging. Mein Kaffee war leer, die Zeitschrift hatte ich ebenso akribisch durchgearbeitet wie meine E-Mails und Textnachrichten auf dem Handy. Bis der Akku meines Handys leer und das Handy aus war, und auch blieb. Die Sonne wich dem Schatten, ich fror und von meiner Freundin fehlte jede Spur.

Ich robbte den Sonnenstrahlen hinterher, wärmte mich wieder auf und arbeitete am Notebook. Nach 20 Minuten war ich fertig. Die Sonne war wieder verschwunden und meine Freundin immer noch nicht da. Ich holte mir einen zweiten Kaffee und suchte mir einen neuen Sonnenplatz. 90 Minuten waren bisher vergangen, aber wie Sie wissen, standen weitere 90 Minuten noch aus. Offline und mit nichts mehr beschäftigt, packte sie mich jetzt mit allem, was sie zu bieten hatte: die Langeweile!

Untätigkeit mochte mein Geist an dem Tag nicht — noch nicht. Aus der Not heraus beobachtete ich Menschen, Ameisen und zählte Vögel. An meinem Kaffeebecher knibbelte ich fast bis zu seiner Unkenntlichkeit herum, bis ich endlich erkannte, was für eine großartige Chance sich mir gerade bot. Ich konnte nirgendwo hin und hatte nichts zu tun. Mir wurde bewusst, wie selten uns unser Alltag genau das einräumte. Ich ließ mich also vollständig auf die Situation ein und merkte, wie mein Geist langsam zur Ruhe kam. Unbeschäftigt, untätig und gelangweilt im Moment zu sein, gefiel mir plötzlich. Ich genoss es sogar! Es war, als hätte die Langeweile den Reset-Knopf in meinem Gehirn gedrückt. Einmal „Tabula Rasa“ bitte.

An diesem Tag wurde ich daran erinnert, warum Langeweile und Phasen des reduzierten Tuns so unheimlich wichtig und heilsam für uns sind. Wir gehen täglich sehr vielen Tätigkeiten nach, die wir schnell und häufig auch noch gleichzeitig erledigen wollen. Zähneputzen, Spülmaschine ausräumen und noch mal eben schnell das Essen vorbereiten.

E-Mails lesen, Textnachrichten schreiben, während wir telefonieren, frühstücken, während wir Zeitung lesen. Unser Gehirn wird überhäuft mit Befehlen, überflutet von Reizen und ständig gefüllt mit Informationen. In unserem Gehirn ist Rushhour. Leere Straßen kennt es nicht.

Umso wichtiger ist es, unserer Datenbank im Kopf bewusst Phasen der Entlastung und Ruhe zu schenken. Halten Sie den Verkehr für einen Moment an, indem Sie Ihren inneren Motor abstellen. Sein anstatt zu machen! Erreichen können Sie es wie ich: entweder ungewollt auf einer Parkbank beim Warten oder gewollt beim Yoga. Der Weg beim Yoga ist ein anderer, aber die Idee dahinter ist die gleiche. Ganz egal, welcher Weg der Ihre ist, pflastern Sie ihn mit Selbstfürsorge und verbinden Sie sich dann und wann mit dem Hier und Jetzt.

In diesem Sinne: ich bin für Sie da, wenn Sie es möchten.

Ihre Alena

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