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Diplom-Logopädin Margo Boekema, Foto: Praxis Boekema

3. Quartal 2018 | Anzeige

Problemlos schlucken mit Hilfe der Myofunktionellen Therapie

Das Saugen ist bei Neugeborenen ein natürliches Bedürfnis. Aber wussten Sie schon, was Ihrem Kind für Nachteile durch zu langes Saugen/Nuckeln am Schnuller oder am Daumen entstehen können? Nicht nur eine Zahnfehlstellung, sondern auch falsche Schluckmuster oder Sprachfehler könnten die Spätfolgen von allzu häufigem und zu langem Nuckeln sein.

Auch, wenn der Schnuller ein Hilfsmittel zur Beruhigung des Kindes ist, könnten sich hieraus etliche Spätfolgen ergeben, z.B. eine Zahnfehlstellung mit einem sog. offenen Biss, bei dem die Kinder nicht richtig abbeißen können. Bei den Milchzähnen bildet sich dieser manchmal von selbst zurück, aber bei den bleibenden Zähnen wird das schwieriger. Auch die Kieferform verändert sich, der Gaumen wird durch den Daumen oder den Schnuller nach oben gedrückt und die Zunge liegt schlaff im Mund, was zu Problemen bei der Spachentwicklung und beim Schlucken führen kann. Die Mundmuskulatur und -motorik werden beeinträchtigt, letztere kann man jedoch im Rahmen der durch den Kieferorthopäden, den Zahnarzt oder den Kinderarzt verordneten Myofunktionellen Therapie üben. Eine schlaffe Mundmuskulatur kann auch zu Atemwegsbeeinträchtigungen führen, da der Mund meist offen steht und somit auch durch den Mund und nicht durch die Nase geatmet wird, was oftmals zu Infekten, einem trockenen Mund und Stimmproblemen führen kann.

Daher sollte man schon möglichst früh die natürliche Ess-Entwicklung der Kinder fördern, z.B. wenn Babies die ersten Kaubewegungen machen, auch wenn die ersten Zähnchen noch gar nicht da sind. Mit Brei und Banane ist es zunächst zwar eher ein „Mampfen“, aber die Kaumuskulatur wird hierdurch bereits trainiert. Später helfen Lebensmittel, die mann gut kauen muss, wie Möhren, Äpfel oder Brot. Auch sollte das Kind nicht zu lange aus einer Nuckelflasche trinken sondern aus einem Becher oder Glas.

Nicht nur deswegen, sondern auch für eine korrekte Zahnstellung wäre es sehr gut, schon in 1. Lebensjahr das andauernde „Schnullern“ zu reduzieren. Der Griff zum Schnuller sollte auch nicht immer gleich beim ersten unwirschen Laut des Kindes erfolgen, vielleicht nur noch beim Einschlafen oder wenn das Kind kränkelt - aber eben nicht ständig. Auch, wenn das Kind ab dem 1. Lebensjahr mit dem Sprechen anfängt, sollte man darauf achten, dass es dann nicht den Schnuller im Mund hat. Man versteht das Kind nicht nur schlechter, sondern die Laut-Entwicklung und somit die ganze Sprachentwicklung können darunter leiden. Beispielsweise kann das Kind die Laute, die vorne im Mund gebildet werden, nicht richtig bilden, wenn der Schnuller dort im Weg ist. Hilfreich ist es auch, wenn man nicht im ganzen Haus mehrere Schnuller parat hat, sondern nur einen im Bettchen oder im Kinderwagen. Aber wie entwöhnt man das Kind am besten vom Schnuller?

Wichtig ist es, dass diese Prozedur nicht über Strafen geht oder anderweitig negativ behaftet ist. Aussagen wie „Du bist doch schon groß - Du brauchst doch gar keinen Schnuller mehr!“ und auch kleine Belohnungen können helfen. Oder die „Schnuller-Fee“ kommt und bringt eine Kleinigkeit, wenn sie den Schnuller mitnimmt. Eine sehr schöne Idee sind auch die sog. „Schnuller-Bäume“ im Bunten Garten und im Odenkirchener Zoo, an denen man den Schnuller fast wie bei einem Ritual anhängen kann. Ein ganz tolles Erlebnis für die Kleinen!

Allerdings sollte man das Entwöhnen nur in für das Kind stabilen Situationen beginnen. Große und aufregende Ereignisse, wie z.B. die Geburt eines Geschwisterchens, der erste Kindergartentag oder eine kleinere OP, könnten der falsche Zeitpunkt sein. Und wenn der “Machtkampf ” um den Schnuller zu groß wird, kann man sich ja mit dem Kind auf einen gelegentlichen Einsatz des Schnullers einigen, vielleicht beim abendlichen Vorlesen vor dem Einschlafen.

Das Abgewöhnen des Daumen-Nuckelns ist da natürlich schwieriger, denn der Daumen ist ja immer vorhanden. Jedoch sollte man besonders beim Sprechen mit einem einfachen „Ich kann nicht verstehen, was Du sagst“ das Kind darum bitten, den Daumen aus dem Mund zu nehmen.

Aber nicht nur das Nuckeln am Schnuller und Daumen führt zu einer Zahnfehlstellung, auch falsche Schluckmuster, bei denen die Zunge häufig vorn oder seitlich gegen die Zähne gedrückt wird. Bei der ersten Zahnspange sollte also auch darauf geachtet werden, dass ein korrektes Schluckmuster möglichst vor der Zahnspangentherapie angebahnt wird. Sonst würden sich die Zähne nach Abschluss der kieferorthopädischen Behandlung wieder verschieben.

Wie erkennt man eine schlaffe Mundmuskulatur? Der Mund steht oft offen, das Gesicht wirkt leicht abwesend oder teilnahmslos, manchmal hängen die Mundwinkel herunter. Wie trainiert man die Mundmotorik? Man achtet beim Sprechen bewusst auf die Lippen- und Zungenbewegung. Das Spitzen oder Breitziehen der Lippen und die sog. „Fitness für die Zunge“ sind wichtige Übungen. Kann das Kind z.B. mit der Zunge etwas von den Lippen ablecken oder die Zunge am Gaumen ansaugen oder ausgestreckt in Richtung Nase führen? Oder können Sie das selbst???

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